Internatsleben von Anna_Asakura (InoShika ⎸ SasuSaku ⎸ NaruHina ⎸ NeijiTen) ================================================================================ Kapitel 12: (K)ein guter Schritt -------------------------------- „Ich will es aber bestimmen.“, entgegnete er mir sogleich mit einem betroffenen Ton, der meine Gemütslage abermals zum Wackeln brachte – und lief im Nu an mir vorbei; heraus aus dem Zimmer mit der 216. … und alles, was er zurückließ, war eine verunsicherte junge Blondine. Eine beschwerliche, beinahe schon kaum aushaltbare Stille drohte mich fortan zu ersticken. Es gab eine Sache, derer ich mir nun zu hundert Prozent sicher war: Weitere, unvermeidbare Tage an diesem Internat würden mir mit absoluter Sicherheit eine Zukunft in der Irrenanstalt bescheren. In meinem Kopf herrschte ein wildes Durcheinander. Fassungslosigkeit, Wut, Verwirrung: Ein bitteres Chaos meiner Gefühle, von dem ich nicht wusste, wie ich es jemals wieder unter Kontrolle kriegen sollte. Shikamaru‘s Auftreten … traf mich vollkommen unerwartet. Es war einfach nur seltsam. Normalerweise war der Nara niemand, der einfach aus einem Reflex heraus handelte. Genau wie im Falle Uchiha war auch er kein großer Gefühlsmensch. Rationales Denken und Vernunft waren die Züge, die ihn wohl am ehesten beschrieben. Und doch schallten seine Worte immer und immer wieder durch meine Gedanken. Sie ließen mich einfach nicht los. Wenn es etwas gab, dass ich im Augenblick wollte, dann war es, diesen Kerl besser zu verstehen. Ein kühles Kitzeln durchzuckte meinen Körper. Was sollte das alles nur bedeuten? Menschen – und damit ihre Emotionen – waren nie ein sonderlich kompliziertes Geschehen für mich. Meine Mutter sprach oftmals von einem angeborenen Talent, geerbt von meinem mindestens ebenso begabtem Vater. Aber wie so oft im Leben gab es auch hier Ausnahmen. Oder waren es weniger Ausnahmen als Wendungen? Wer konnte das schon so genau sagen. Ich jedenfalls nicht. Eines war dennoch klar: Hier schien alles anders zu sein. Hätte mir jemals zuvor jemand von der Existent einer solchen Schule berichtet – ich hätte ihn mit großer Wahrscheinlichkeit für verrückt erklärt. Komplizierte Lehrer, eine durchgeknallte Direktorin, ein seltsames Schulgebäude … und das Schlimmste: Wahnsinnige Schüler in Hülle und Fülle. Schwarze Schafe gab es selbstverständlich überall, egal woher man stammte, doch an diesem Ort fiel offensichtlich das weißeste Schaf am meisten auf. Langsam, nervös und unbeholfen tapste ich durch mein Zimmer. Ich hatte einfach keine Ahnung, was ich nun tun sollte. Für die Eingebung eines klaren Planes hätte ich im Moment vieles gegeben. Wem konnte ich mich denn nach solch einem Geschehen auch noch anvertrauen? Sakura? Wohl eher nicht. Allein die Vorstellung an ihre versteckte Betroffenheit – und damit wiederum an ihr gekünsteltes Glück - ließen mich gründlich erschaudern. Sie mochte diesen durchgeknallten, besserwisserischen Uchiha-Knaben, auch, wenn sie das niemals einfach so zugeben würde. Und irgendwie ging es schließlich auch um ihn. Doch wer blieb mir sonst? Tenten … nein. Den Mut, sie mit solch einem persönlich schweren Thema zu belasten, hatte ich nicht. Und die Jungs kamen sowieso nicht in Frage, denn diese hatten schließlich selbst spürbare Probleme. Letztendlich kam wieder einmal eine einzige Person in Betracht. Gedankenverloren marschierte ich zu meinem Handy und wählte die Nummer, von der ich mir abermals einen wichtigen Rat erhoffte. Doch dieses Mal durfte ich nicht zu viel verraten, denn diese Sache blieb besser vor den meisten Schülern geheim. RING RING RING „Ja bitte? „Hallo Hinata, könntest du mir eventuell kurz deine Aufmerksamkeit schenken?“ „Hi Ino. Natürlich, was kann ich für dich tun?“ Typisch Hinata. Ohne zu zögern oder ohne auch nur darüber nachzudenken willigte sie ein und bot ohne Zweifel im Herzen ihre Hilfe an. Das ließ sie einen jedes Mal aufs Neue spüren. Die gute Seele der Blauhaarigen war einfach etwas Besonderes. Ich atmete einmal - aus vollstem Gefühl heraus - gründlich, aber auch schwer ein, und mindestens genauso seufzend wieder aus. „Oh oh, das war aber ein herzhaftes Geräusch, klingt als läge dir etwas tief auf dem Herzen.“, sprach die junge Frau am anderen Ende der Leitung verständnisvoll zu mir. „Ich denke, deine Aussage trifft es ganz gut.“, antwortete ich ihr prompt, wie aus einer Pistole geschossen. Und plötzlich – ich wusste wirklich nicht wieso – legte sich ein trauriger, leicht verzweifelter Schauer über mein Dasein. Wie ein tobender Wasserfall riss der letzte Satz der Hyuuga alles in mir erneut auseinander. „Warum sind sie nur so?“, flüsterte ich mehr an mich gewand als an Hinata. Doch dies konnte sie wahrhaftig nicht ahnen. Ob sie den Frust in meiner Stimme trotzdem hinaushören konnte? Zuzutrauen war es ihr gewiss. „Weiß du Ino, es ist an der Zeit, dass du dir eine eigene Meinung darüber bildest, denkst du nicht auch?“ Verständnis. Ich war überwältigt davon, wie viel Verständnis die Hyuuga Erbin trotz ihrer eigenen Probleme immer wieder für andere aufbringen konnte. Ich nannte ihr keine Namen, nein, und dennoch schien meine Freundin deutlich zu spüren, auf wen ich anspielte und was mich beschäftigte. „Danke Herzchen.“ „Ich bin immer für dich da.“, fügte sie noch hinzu – und damit beendete sie unser kleines Telefonat. Hinata Hyuuga war wirklich ein Engel, und ich war froh, sie als meine Freundin bezeichnen zu können. Der Moment war gekommen, in dem ich mich endlich dieser Situation stellen musste. „Yamanaka.“, ertönte die düstere Stimme eines schwarhaarigen, halbnackten jungen Mannes, der sich äußerst lässig gegen den Türrahmen seines Zimmers gelehnt hatte. „Ich bin überrascht, du kennst meine Zimmernummer?“ „Hör auf zu spotten Uchiha. Ich arbeite in einem Projekt mit Shikamaru, und das weißt du ganz genau.“, stemmte ich aufbrausend meine Hände in die Hüfte. „Aber deswegen bin ich nicht hier.“, fuhr ich fort und legte meinem Gegenüber schließlich drohend einen Zeigefinger auf die Brust, um ihn vollends zurück in den Raum zu schieben. Lautstark schmiss ich die Tür hinter uns zu, um nicht doch noch unerwünschter Weise von einer seiner Fan Girls erwischt zu werden. Obwohl es mir letztlich doch egal sein konnte. „Hm, und nun? Wie du siehst, Shikamaru ist nicht da.“, säuselte er gewohnt cool vor sich hin. „Ich habe es doch bereits erwähnt. Ich bin nicht wegen ihm hier.“, ließ ich meine Stimme jetzt auch um ein vielfaches ernster als zuvor wirken. Mir entging nicht, wie seine Gestik und Mimik sich augenblicklich veränderte; war es … Panik? „Verstehe. Dann lass mich doch mal raten. Du bist hier, um mich einen bösen, bösen Sasuke zu nennen und mir hinterher, wie eine wildgewordene Stute, eine zu kleben?“, äußerte er gespielt theatralisch. „Musste ja so kommen. War klar das diese Irre von Haruno irgendwann auf dich abfärbt.“ „Äußert charmant, wie immer.“, ließ ich mich nun künstlich geheuchelt auf ihn ein. „Ich weiß es sehr zu schätzen, wie hochwertig du von Sakura sprichst, aber nein, da muss ich dich leider enttäuschen, das hatte ich eigentlich nicht vor.“ „Und warum bist du dann hier?“, drang seine Stimme nun sehr ungeduldig an mein Ohr. „Ach, naja, weißt du ...“, begann ich von neuem, und ging ohne seine Erlaubnis einfach weiter in den Raum. „Ich hatte gerade eben äußerst interessanten Besuch. Und, wie soll ich sagen? Wir kamen auf ein doch Recht suspektes Thema zu sprechen.“ Ich konnte deutlich spüren, das Sasuke immer noch nicht wusste, auf wen oder was genau ich eigentlich anspielen wollte. Inzwischen hatte ich ihm den Rücken zugewandt, um mir ganz entspannt den Ort anzusehen, in dem er und mein Projektpartner wohnten. Unwillkürlich zuckte ich zusammen, als der Uchiha mein Handgelenk packte und mich besonders zärtlich zu sich herumwirbelte. Ich konnte nicht anders, als ihm tief in seine Augen zu blicken, in der Hoffnung, endlich einmal einen Funken an Gefühl in ihm ausfindig zu machen. „Was willst du hier?“, sprach er konstant ruhig. „Wieso weiß Shikamaru von unserem Kuss?“, zischte ich gefährlich – und unverweilt löste er die Umklammerung meines Handgelenkes. Seine Augen weiteten sich ein kleines, kaum erkennbares Bisschen, und doch wagte er es nicht, seinen Blick von Meinem abzuwenden. Schien als wäre der Groschen gefallen. Als erstes glaubte ich, dass er nun endlich mit offenen Karten spielen würde, dass er mir erklären würde, wieso sich sein bester Freund auf einmal so seltsam verhielt, und, warum er mich letzten Endes geküsst hatte. Tausende von Fragen schwirrten durch meinen Kopf. Ich hatte schlussendlich doch noch die Hoffnung, dass sich alle aktuellen Geschehnisse just in diesem Augenblick aufklären könnten. „Was hat er dir gesagt?“, durchlöcherte er mich mit seinen pechschwarzen Seelenspiegeln. Sasuke schien relativ gefasst zu sein, dennoch gab es irgendetwas an dieser Situation, was mich gewaltig störte. „Tse, gesagt hat er nichts. Beschuldigungen, das war es was ich mir anhören durfte.“, knurrte ich, achtete aber stets darauf, ebenso wie er, den Augenkontakt nicht zu unterbrechen. Ich wollte auf keinen Fall den Moment verpassen, in dem sein Gesichtsfeld mir hätte etwas Wichtiges verraten können. „Hm.“ Hm? HM? War das etwas alles was er dazu zu sagen hatte? Wollte er mich für dumm verkaufen? „Außerdem wollte er wissen, wieso ich dich geküsst habe, Uchiha.“, fügte ich dem Ganzen noch hinzu, als ich bemerkte, dass diese Konversation für ihn anscheinend erledigt war. Doch so einfach konnte und wollte ich mich dieses Mal nicht abwimmeln lassen. Ich verlangte Antworten, und zwar von ihm. Ich sah, wie er langsam seinen Mund öffnete, um sichtlich etwas erwidern zu wollen, ihn kurz darauf aber wieder schloss, ohne, dass auch nur der leiseste Ton ertönte. „Das hat er dich gefragt?“, kam überraschender Weise doch noch aus ihm heraus. Dahingegen war es aber nicht das was, welches meine Aufmerksamkeit erregte, sondern das wie. Seltsamerweise klang seine Stimme irgendwie … traurig. Aber wieso? „Ganz Recht. Und soll ich dir mal etwas verraten? Er ist nicht der Einzige der das gern wissen würde.“ Und erneut passierte alles viel zu schnell. Abermals packte er – ganz plötzlich und äußerst grob – mein Handgelenk und zerrte mich in Richtung des Ausgangs. Aggressiv und unfreundlich schubste er mich über die Schwelle der Tür, hinaus in den mittlerweile belebten Flur – und knallte prompt den Einlass heftig zu. Tja, nun stand ich hier, vor dem Zimmer der zwei beliebtesten Jungs dieser Schule, alle Augenpaare neugierig auf mich gerichtet. Ich konnte förmlich spüren, wie die gaffenden Blicke meiner Mitschüler mir Fragen in den Rücken brannten. Doch das kümmerte mich jetzt nicht. Ich war wütend. Wütend auf diese Vollidioten, weil sie mich entweder einfach anmaulten oder mich komplett ignorierten, obwohl es mein gutes Recht war, gegenwärtig Antworten zu bekommen. Bloß geschah dies nicht. „You haven' a bit of trouble, haven't you?“, plapperte mich jemand von der Seite belustigt an. Erst realisierte ich gar nicht, wer in diesem Moment dort stand, jedoch als mein Verstand endlich wieder zu seinem alten Ich fand, konnte ich nicht anders, als mein schönstes und gleichzeitig fröhlichstes Lächeln aufzulegen. Mein Körper handelte völlig von allein, denn die Reaktion, die er zu betreiben hatte, wenn meine Augen diese Person erblickten, die kannte er schon in- und auswendig. Hektisch fiel ich diesem äußerst attraktivem Mann um den Hals, wobei ich einen kurzen, penetranten Kreischer meinerseits einfach nicht unterdrücken konnte. „Dein Englisch ist so schlecht wie eh und je!“, ließ ich nun doch etwas von ihm ab; mit einem Dauergrinsen das längst schon einen Wettbewerb hätte gewinnen können, freute ich mich einfach, meinen ehemals engsten Freund aus alter Heimat wiederzusehen. „Ist das das Erste, was du feststellst, obwohl wir uns eine Ewigkeit nicht gesehen haben?“, prustete er sogleich drauf los. Ich sah, wie sich auf seinen Lippen ein kleiner Schmollmund abzeichnete, was mein Lächeln jedoch nur intensivierte. „Schau doch mal, bin ich nicht riesig geworden? Und der tiefe, männliche Ton in meiner Stimme, zum Anbeißen, oder?“, baute er sich siegreich vor mir auf. „Ja ja, du bist der Schärfste, das wusste ich doch schon immer.“, kniff ich ihm nun frech in die Wange. „Tja, wir sind eben das perfekte Paar.“, hallte seine Stimme viel zu laut durch den Korridor unserer Schule, doch das kümmerte mich nicht. Kein einziger dieser Neugierigen entging mir, wie sie lauschten und untereinander tuschelten; mit Sicherheit schaffte ich es damit zurück auf die Nummer Eins der neuesten Neuigkeiten. Aber das war mir momentan alles egal. Er war der Einzige, der mich jetzt interessierte, wie er hier stand – einfach so, war er aus dem Nichts aufgetaucht, wie früher, und munterte mich mit seinen abgehalfterten Sprüchen abermals auf. Liebevoll und fröhlich über sein Dasein, schnappte ich mir die Hand des Größeren und zog ihn fort von hier, einfach nur raus aus diesem Gebäude und dieser Gegend, weg von all dem Trubel, der mich umringte. Hosted by Animexx e.V. 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